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Inspirierende Orte und maritimes Flair

Eine literarische Ostseereise

Eine literarische Ostseereise: Inspirierende Orte und maritimes Flair

Deutschlands Ostseeküste lockt Bücherfreunde mit langen Stränden, viel Natur und großer Literatur

von Heidi Siefert

Seit jeher zieht Deutschlands Ostseeküste die Menschen an: Badende und Strandläufer, Ornithologen und Kulturreisende. Und immer schon fühlten sich Literaten und Künstler inspiriert vom rollenden Meer, dem klaren Licht und dem besonderen Flair. Was liegt für Bücherfreunde also näher, als den Autoren nachzureisen und zwischen mondänen Seebädern, archaischen Fischerdörfern und geschichtsträchtigen Hansestädten manche Entdeckung zu machen?

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„… der Blick durch Bäume hindurch auf das graue Meer ist poetisch und für Herz und Sinne unendlich wohltuend." Theodor Fontane, der fünf Jahre seiner Kindheit in Swinemünde auf Usedom verbracht hatte, war als Erwachsener immer noch beeindruckt von der Magie der Ostseeküste. „… Man hat Ruhe und frische Luft und diese beiden Dinge wirken wie Wunder und erfüllen Nerven, Blut, Lungen mit einer stillen Wonne.“ In einem Brief an seine Frau beschreibt er 1863 die Stimmung, die auch heute noch den besonderen Reiz entlang der Ostseeküste ausmacht. Literaturbegeisterte finden eine ganze Reihe besonderer Sehnsuchtsziele an der Küste zwischen Deutschlands nördlichster Stadt Glücksburg mit ihrem märchenhaften Wasserschloss und der Pommerschen Bucht. 750 Kilometer Strände und Steilküsten sowie mehr als 1.500 Kilometer Haff- und Boddenküste wollen entdeckt werden.

Magie der Ostseeküste

Beginnen wir in Schleswig-Holstein, wo Flensburger Förde und Lübecker Bucht fast 400 Kilometer Küste umschließen. Etwa 80 Strände laden dort zum Baden ein, und wer sich plötzlich in Brasilien oder Kalifornien wieder findet, der hat sich nicht verfahren, sondern eine der besten Adressen für Wassersport gefunden. Am Strand ist „Action“ angesagt, man geht zum SUP-Surfen oder steigt ins Meereskajak und verbringt seine Ferien aktiv. Zeit für ein paar erholsame Stunden mit einem guten Buch im Strandkorb ist aber allemal.

Die schleswig-holsteinische Ostseeküste gilt nicht nur als eine der schönsten Segelreviere Europas. Zu Lande ergänzen 60 Golfplätze und 800 Kilometer befestigte Wege für Nordic Walker und Jogger das Sportangebot. Der oft direkt hinterm Strand verlaufende Ostseeküstenradweg mit seinem gut ausgebauten Verleih-Netz ist eine der beliebtesten Strecken Deutschlands. Dabei muss niemand gleich die komplette Distanz von 1.100 Kilometern bis zur polnischen Grenze strampeln. Auf Teilstücken lässt sich das Land im Sattel ebenso intensiv erleben. Man spürt den Wind, atmet die Seeluft und freut sich auf ein frisches Fischbrötchen zur Stärkung unterwegs - nicht nur am Welt-Fischbrötchentag, der am 7. Mai überall entlang der Küste ausgiebig gefeiert wird.
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Von Kiel aus, das man am besten vom Wasser aus erkundet, geht es über Fehmarn und den Timmendorfer Strand in Richtung Lübeck. Die Weltkulturerbe-Stadt erinnert an eine Puppenstube, vor allem an Tagen, an denen sich stahlblauer Himmel über die Giebelhäuser und Backsteinkirchen spannt. Mit ihren schmucken Straßen und hübschen Gassen ist sie eine Stadt zum Schlendern und Entdecken. Natürlich gehört dazu die Mengstraße 4. Hinter der weißen Barockfassade des 1758 erbauten Buddenbrookhauses wird Thomas Manns nobelpreisgekrönter Romanklassiker erlebbar. Das ehemalige Wohnhaus der Großeltern, das ihm als Vorbild für die „Buddenbrooks" diente, ist nicht nur Museum, sondern auch Gedenk- und Forschungsstätte für das Werk der Brüder Thomas und Klaus Mann.

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Auch in der Glockengießerstraße wird Literatur erlebbar. Jedes Jahr am 16. Oktober, dem Geburtstag von Günther Grass, stimmt das Publikum über die kommenden Themen im Grass-Haus ab, das bereits zu Lebzeiten des Literaturnobelpreisträgers und Künstlers eröffnet wurde. Das Haus mit dem schönen Garten und der von Oskar Mazerath im „Butt“ so kräftig geschlagenen Blechtrommel am Eingang ist ein Ort der Begegnung. Und ein Ort, an dem man glaubt, die neben der Nobelpreisurkunde ausgestellte Schreibmaschine klappern zu hören.

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Vom Lübecker Markt aus führt die Hansische Ostseestraße zunächst durch Mecklenburg. Am schönsten reist es sich unter Hufgeklapper mit dem Kremser entlang der Gutshäuser im Satower Land. Die haben ihre Wurzeln im 13. Jahrhundert - so wie die namhaften Städte entlang der Themenroute, die unter anderem durch Wismar, Rostock, Stralsund und Stettin bis nach Anklam führt, wo man staunend Otto Lilienthals erste Flugmaschinen betrachtet und en passant anschaulich viel über Flugtechnik und -geschichte erfährt.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs lebte in Anklam Uwe Johnson, der später aus New York in Briefen immer wieder Freunde befragte, ob es dies und jenes noch gebe. So prüfte er, der nicht in die DDR einreisen durfte, ob das, was er schreiben wollte, noch den Tatsachen entsprach.

In Klütz hat man dem „Dichter beider Deutschland“ vor zehn Jahren ein Literaturhaus errichtet. Das Städtchen zwischen Lübeck und Wismar soll Johnson als Vorlage für sein Jerichow aus den „Jahrestagen“ gedient haben. Ob er je dort war, wird eifrig diskutiert. Für einen Abstecher lohnt sich der Klützer Winkel mit seinen Alleen, der waldigen Steilküste und romantischen Stränden aber allemal. Das schönste Fortbewegungsmittel dafür ist der Klützer Kaffeebrenner, eine historische Schmalspurbahn, die unter Dampf durchs hügelige Land fährt.

Kreidefelsen & Seebrücken

Wenn die Obstbäume in Blüte stehen, versteht man vielleicht am besten, warum Ahrenshoop auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst immer schon Künstler anzog. Paul Müller-Kempf begeisterten Landschaft und Lichtverhältnisse des damals weltabgeschiedenen Fischerdorfs, in dem sich noch heute reetgedeckte Häuschen hinter die Dünen ducken. Auf sein Engagement hin entstand 1909 der Kunstkaten: einst Malerkolonie und heute ein wunderbarer Ort für Lesungen, Ausstellungen und verschiedenste Veranstaltungen einer regen Kulturszene.

Fischland-Darß-Zingst ist vor allem aber viel Natur. Seeadler gibt es dort, Kegelrobben und einen der größten Rastplätze von Graukranichen in Europa. Zu Zehntausenden sammeln sich die majestätischen „Vögel des Glücks" auf dem Weg in den Süden, um Getreidereste aus den abgeernteten Feldern zu picken. Auf dem Rückweg stoppen sie im März in der Vorpommerschen Boddenlandschaft, um ihren Weibchen mit Balztänzen Eindruck zu machen.

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Die Schalen von 50.000 Einzellern brauche es, bis ein Gramm Kreide entsteht, erfährt man an den Kreidefelsen auf Rügen, und kann sich das vor der mehr als 100 Meter hohen Steilwand kaum vorstellen. Von Caspar David Friedrich 1818 in Öl verewigt, ist die Kreideküste aus jeder Perspektive imposant. Rügen als größte deutsche Insel ist der Urlaubermagnet an der Ostsee. Hier locken die Bäderarchitektur von Binz und der Nationalpark Jasmund, das Weltnaturerbe Alte Buchenwälder und die Störtebeker-Festspiele in Ralswiek. Dazu kommen die kleinen Inselschwestern Ummanz und Hiddensee, wo Gerhart Hauptmann sein Sommerhaus hatte und seine letzte Ruhe fand. Hans Fallada beendete auf der seepferdchenförmigen Insel seinen Roman „Kleiner Mann - was nun?“.

Für viele Ostseekenner folgt ganz im Osten der Höhepunkt: Usedom. Regelmäßig verzeichnen die Meteorologen dort mehr Sonnenstunden als irgendwo sonst im Land. Die Villen in den Kaiserbädern Ahlbeck, Bansin und Heringsdorf erinnern an Zuckerbäckerei und stehen frisch herausgeputzt in oft parkartigen Gärten. Noch heute geht ein besonderer Reiz von den eleganten Sommerdomizilen aus, die sich die Berliner High Society des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts baute.

Usedoms schönster Ort ist Ahlbeck. Auch wer selbst nie da war, kennt aus dem Showdown in Loriots Kinoklassiker „Pappa ante Portas" (1991) das Wahrzeichen des Kaiserbads: die elegante Seebrücke. Sie ist die älteste in Deutschland und das wohl am meisten fotografierte Bauwerk der Insel. Seit 1898 ragt sie mit ihrem 280 Meter langen Seesteg ins Meer.

Das seit der Kaiserzeit als Badewanne Berlins bekannte Heringsdorf hat mit 508 Metern heute die längste Seebrücke Europas und eine Reihe namhafter Literaten, die ihre Sommerfrische hier verbrachten: Dazu zählten Lyonel Feininger, Theodor Fontane, Leo Tolstoi, Thomas Mann und Maxim Gorki, dessen Wohn- und Arbeitszimmer in der Villa Irmgard den Rahmen für Ausstellungen, Lesungen und Konzerte gibt.

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Bansin als jüngstes der drei Kaiserbäder erhielt 1923 als erstes deutsches Seebad die sogenannte Freibadeerlaubnis. Will heißen, man durfte direkt vom Strand ins Wasser laufen, ohne sich in einer abgetrennten Badeanstalt schicklich mit einem Wägelchen in die Ostsee ziehen zu lassen. Als Dekoration neben der Konzertmuschel erinnern die Badekarren an vergangene Zeiten. Hier gibt es außergewöhnlich viele erhaltene Villen in Bäderarchitektur, und selbst die in der zweiten Reihe haben in Bansin Blick aufs Meer.

Literarische Highlights in maritimer Umgebung

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Deutschlands östlichste Insel ist auch Heimat eines ganz besonderen Festivals: der Usedomer Literaturtage. Sie sind noch verhältnismäßig jung. Dennoch hat sich das Ereignis weit über die Ostseeküste hinaus einen Namen gemacht. Mittlerweile kommen Stammgäste bis aus den USA, wenn sich alljährlich im April hochkarätige Autoren aus unterschiedlichen Perspektiven der deutschen Geschichte und dem östlichen Europa literarisch annähern. Flucht und Vertreibung sind das übergeordnete Thema, um mit dem Wissen über die Vergangenheit die Gegenwart zu verstehen, ungekannte Sichtweisen zu entdecken und Vorurteile zu überwinden.

Beeindruckend ist die Liste derer, die in den vergangenen Jahren in Usedom lasen. Hans Magnus Enzensberger war zu Gast, Christoph Hein und Reiner Kunze. Bei den Literaturtage 2017 waren Donna Leon und Martin Walser zu Gast auf der Ostseeinsel.

Bestseller-Autorin Leon, die in ihren Büchern immer aktuelle Themen aufgreift, war schon 2016 mit von der Partie. Von ihrem Barockensemble „Il Pomo d'Oro" begleitet, las sie aus ihren Venedig-Krimis mit Commissario Brunetti. „Super relaxed" sei sie gewesen, freuen sich die Veranstalter und waren begeistert, als sie nicht nur zum Geburtstag feiern zurückkehrte, sondern auch eine erneute Teilnahme an den Literaturtagen zusagte.

Martin Walser las zum dritten Mal auf der Insel. Er ist nicht nur literarisch immer wieder eine Entdeckung. Als Mitglied der Gruppe 47 stellt er auch die Verbindung zur bedeutendsten Schriftstellergruppierung der Nachkriegszeit her, die der Bansiner Fischersohn Hans-Werner Richter 1947 gründete.

Es sind aber nicht nur die lebenserfahrenen Literaten, die auf Usedom zu Wort kommen. „Wir bemühen uns auch immer wieder um junge Autoren, die sich mit dem Thema Flucht und Vertreibung beschäftigen", erklärt Festivalsprecher Alexander Datz das weite Spektrum und macht schon mal Lust: „Freuen Sie sich auf namhafte Autoren und überraschende Neuentdeckungen."

Man darf gespannt sein, wer im nächsten Jahr den mit 5.000 Euro dotierten Usedomer Literaturpreis erhält. Der ist traditionell mit einem vierwöchigen Aufenthalt im traditionsreichen Romantikhotel Ahlbecker Hof verbunden, und so tragen die Preisträger dazu bei, die literarische Tradition an der Ostsee lebendig zu halten. Manch einen inspiriert die Zeit des ungestörten Arbeitens zu Neuem. Er sei hier auf den Stoff für ein neues Buch gestoßen, verriet Jaroslav Rudiš, der 2014 in diesen Genuss kam. Noch schreibt er, doch die literaturbegeisterten Insulaner warten bereits neugierig darauf, wozu ihre Sonneninsel den tschechischen Autor inspirierte.

Schatzinsel der Literatur


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Usedomer Literaturtage  

Literaturfans aufgepasst, der kulturelle Frühlingshöhepunkt kündigt sich an! Auch im nächsten Jahr versammeln sich auf Usedom renommierte Literaten bei den Usedomer Literaturtagen mit Blick auf den europäischen Dialog. Die traditionsreiche Veranstaltungsreihe erwartet wieder herausragende Autoren.

Eine Schatzinsel der Literatur ist Usedom nicht erst seit die Usedomer Literaturtage renommierte Schriftsteller wie Martin Walser, Hans Magnus Enzensberger, Christoph Hein oder Marek Krajewski alljährlich anlocken, schon Theodor Fontane, Maxim Gorki oder Thomas Mann schätzten das Eiland. Und auch Krimi-Autorin Donna Leon hat mit ihrem fulminanten Usedom-Debüt im April 2016 die Insel für sich entdeckt. „Usedom ist mein Paradiso!“, zeigte sich die Schöpferin des berühmten venezianischen Verbrecherjägers Commissario Brunetti, von der maritimen Atmosphäre der Literaturtage begeistert.

Auf Spurensuche begibt sich auch die hochkarätige Jury des Usedomer Literaturpreises, ein Höhepunkt der Veranstaltungsreihe. Mit 5000 Euro durch die Usedomer Literaturtage und die SEETELHOTELS dotiert und einem einmonatigen Aufenthalt auf der Sonneninsel verbunden, würdigt er im April dann wieder Autoren, die sich um den europäischen Dialog verdient gemacht haben. Preisträger der vergangenen Jahre waren u. a. der Darmstädter Autor Jan Koneffke, die polnische Schriftstellerin Olga Tokarczuk oder Dörte Hansen. Freuen Sie sich auf überraschende Neuentdeckungen!

Weitere Informationen und Kartenbuchung unter

www.usedomer-literaturtage.de.

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