Thalia Aufmacher Kuba berge und meer

Reisebericht & Lektüre

Traumziel Kuba

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Cuba libre: Castros Inselstaat hat sich mit dem einstigen Staatsfeind USA ausgesöhnt. Das Embargo ist gelockert, bald werden US-Urlauber in Scharen erwartet. Grund genug, noch schnell das unverfälschte Flair der "Perle der Karibik" zu genießen.

Von Gerhard Merk


Thalai Teaser kuba berge und meer

Hier ist es, das Lebensgefühl der Karibik: Unwiderstehlich lockt die größte Karibikinsel mit Puderzuckerstränden und kolonialem Charme. Überall erklingen exotische Rhythmen, überraschend urwüchsige Natur. Kuba ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht und lädt zum bezahlbaren Urlaub unter Palmen. Jahrzehntelang genossen nur relativ wenige Touristen ihre Ferien auf dem sozialistisch regierten Eiland, trotz exzellenter Bademöglichkeiten und des quirligen Mix der Kulturen. Das hat sich gründlich geändert: Aktuell ist Kuba das Boomziel der Antillen schlechthin.

Das hat einen einfachen Grund: Jeder will noch einmal das "alte Kuba" sehen - die historische Altstadt La Habana Vieja mit ihren herrschaftlichen Kolonialhäusern und pinkfarbenen Straßenkreuzern, die Badestrände von Varadero und ihr türkisblaues Wasser. Einen Mojito in der Hand ein letztes Mal in Nostalgie baden, ehe Uncle Sam das ganze Eiland an sein großes Herz drückt.


Bis dahin können die Cubanos noch einmal tief durchatmen. Und die Europäer nutzen die Zeit, um in der Ästhetik des Unvollkommenen zu schwelgen. Noch ist der morbide Charme vergilbter Grandeur in der Altstadt von Havanna nicht wegsaniert. Noch schlängeln sich expressionistische Kabelbündel an vormals vornehmen Fassaden entlang, stützen Gerüste und Balken den bröckelnden Stuck. Auf morschen Balkonen flattert bunte Wäsche.

Nostalgisches Havanna: Schönheit in Weiß

Die Habaneros drunten auf der Straße lässt das alles unberührt. Sie konzentrieren sich auf das Klickern der Dominosteine. Auf der Plaza tänzeln Kellner durch quirlige Straßencafés. Am berühmten Malecón, der gischtumsprühten Uferpromenade, zeigt die neue US-Botschaft nach einem halben Jahrhundert wieder Flagge – und die Hauptstadt frische Farbe mit Tupfern von kolonialem Pastell. Am Abend taucht die Perlenkette der Straßenlampen auch die maroden Fronten der Esplanade in ein warmes Zauberlicht.

Bei Tag ist Havanna eine Schönheit in Weiß. Von den Wällen der Hafenfestung El Morro gesehen leuchtet die Skyline wie von innen heraus. Bei Nacht spiegelt sich ihr Collier funkelnd in der Bucht.  

Thalia Teaser kuba Dame berge und meer
In der Bar "La Floridita" sitzen die Verehrer von Ernest Hemingway beim obligaten Daiquiri. Ein cooles Selfie an der Bar mit der bronzenen Figur des Literaten ist Ehrensache. Nun geht es, eine Cohiba-Zigarre zwischen den Zähnen, per Radl-Taxi an den nächsten Tresen. Details zum Nationalschnaps Rum und Kubas elitären Zigarren lassen sich auch noch morgen früh eruieren. Es muss ja nicht gleich die erste Führung im "Museo Ron Havanna Club" sein. Respektive bei "Partagas", der ältesten Tabakwicklerei der Stadt.

Thalia Teaser kuba Zigarrenherstellung berge und meer
Herstellung von Zigarren

Es ist unübersehbar: Kuba will den Anschluss an die Moderne schaffen. Seine Gäste aber suchen den Zauber der Fünfzigerjahre. Dabei war diese Zeit für die Mehrheit der Kubaner alles andere als bezaubernd: Sie litten unter einem korrupten Diktator, der Havanna zum Sündenbabel Amerikas gemacht hatte. US-Gangster wie Lucky Luciano und Mayer Lanski kontrollierten von Kuba aus ihr US-Geschäft mit Drogen, Glücksspiel und Prostitution, während Frank Sinatra für sie im Luxushotel Nacional sang. 1959 setzten Fidel Castros Rebellen dem Treiben abrupt ein Ende. Washington konterte mit einem Wirtschaftsembargo. Seither gehen auf der größten Insel der Antillen die Uhren langsamer. 

Wie in einer Schneekugel hat die US-Handelssperre auf der Insel das Amerika der 50er-Jahre konserviert, mit erstaunlichen Folgen. Ausgerechnet im sozialistischen Kuba fahren mehr US-Straßenkreuzer als japanische Neuwagen. Man muss nur ein Taxi rufen, und schon rollt man in einem aufpolierten 52er Oldsmobile Cabrio mit geflickten Ledersitzen zur Plaza de la Revolución. Verzückt verrenken sich Oldtimerfans die Hälse nach buckligen DeSotos und spitznasigen Dodges. Handys klicken, wenn die Haifischflossen der Buicks und Cadillacs vorbeisurfen. Es gibt kein zugkräftigeres Fotomotiv als diese lindgrünen und babyblauen Karossen.
Gerade jetzt ist eine spannende Zeit auf Kuba: Der real existierende Karibik-Sozialismus hält sich noch. Nichtsdestotrotz zeigen unter Rául Castros Reformen immer mehr Cubanos Mut zur Eigeninitiative. Da ist die kreolische Mama mit Haarschleife und XXL-Zigarre, die pro Foto einen Touristen-Peso fordert, das entspricht einem US-Dollar. Und es finden sich immer mehr private Wirte und Zimmervermieterinnen. Oder jener selbständige Farmer, der seine 100-prozentige Treue zum System mit viel Chuzpe so hochaddiert: "80 Prozent zahle ich an den Staat, und von den restlichen 30 Prozent lebe ich."

Unsere Buchempfehlungen



Grüne Natur: Dusche unterm Wasserfall

Dem echten Kuba begegnet man allerdings kaum in der Stadt und noch seltener am Strand, sondern am besten auf der Fahrt durchs weite Land: etwa in den Westen, wo die Tabakfelder wogen, oder Richtung Süden an die Karibikküste, an der das Zuckerrohr wächst für den berühmten Rum der Insel. Da trifft es sich gut, dass die meisten Urlauber vor ihrem Strandurlaub eine Rundreise mit den Höhepunkten der Inselkultur gebucht haben.

Unterwegs geht es geruhsam zu; der Fahrer überholt deutlich mehr Pferdekarren als Autos. Links taucht ein Farmhaus in Pink auf, garagengroß, mit einem zerbeulten Tank auf Stelzen daneben. Rechts der Bauer beim Pflügen mit dem Ochsengespann. Sein Trecker rostet im Hof. Im Fluss unter der Brücke striegelt einer sein Pferd.

Thalia kuba Havanna berge und meer
Havanna
Natur pur bietet der Ausflug zum Wasserfall El Nicho. Sowjetische Militärlaster aus Zeiten der Kuba-Krise quälen sich steil hinauf in die Sierra Escambray. Dort wächst der Kaffee, den die Reisenden eben noch an der Tankstelle geschlürft haben. Heiß und stark gebrannt, ein Viertelpeso pro Espresso. Aus dem satten Akaziengrün ragen die glatten silberweißen Stämme der Königspalmen. Agaven klammern sich ins Gestein. Vom hohen Wasserfall El Nicho stürzt frisches Wasser in Kaskaden herab. Junges Volk tummelt sich in den kühlen, klaren Gumpen. In einem schattigen, umgrünten Gasthaus wird typische Landkost serviert: würzig gebratenes Huhn, Fisch, Schweinernes, dazu Salat. Man reicht leichtes Cristal-Bier, Rumcocktails und kubanischen Wein.
Nach der Wildnis folgt wieder Stadtkultur: Trinidad ist ein mit Kieselsteinen gepflastertes Kleinod aus kolonialen Tagen. An aufgefrischten Fassaden in zauberhaften Pastelltönen werden bei Sonnenuntergang die raumhohen, kunstvoll vergitterten Fenster geöffnet. Frische Abendluft kühlt die Bewohner, die im Schaukelstuhl vor dem Fernseher wippen. In romantischen Hinterhöfen ertönen zum Dinner Son und Salsa.

Thalia Teaser Kuba Trinidad berge und meer
Trinidad

Eine Nummer größer, ebenfalls Weltkulturerbe, präsentiert sich die Stadt Cienfuegos. Häuser von Barock bis Art Déco mit endlosen Laubengängen reihen sich zu bunten Perlenschnüren. Seinen einstigen Reichtum verdankte Cienfuegos der Zuckerindustrie. Die Zuckerbarone bauten sich prächtige Paläste, zum Beispiel den Palacio del Valle, heute ein Luxushotel mit wunderbarer Aussicht über die Bucht.

Um Zucker, das süße Nationalgut, geht es auch bei einer Fahrt mit dem Dampfzug ins Valle de los Ingenios, das Tal der Zuckermühlen. Aus den Feldern mit den alten Fabriken, Herrenhäusern und Sklavenhütten ragt ein sieben Stock hoher Glockenturm. Von dort oben ließen die Aufseher die Leibeigenen keine Minute aus den Augen. Am Fuß des Campanile verkaufen jetzt Frauen Leinenhemden. Männer pressen süßen Saft aus dem Zuckerrohr.

Kuba ist eine Insel von gewaltigen Ausmaßen. Mehr als 1000 Kilometer sind es von Havanna über Cienfuegos und Trinidad bis zum östlichen Zipfel des Eilandes. Dort, bei Baracoa, hat Christoph Columbus 1492 auf seiner Entdeckungsreise Amerikas sein Holzkreuz aufgepflanzt. Ergriffen diktierte er seinem Schreiber: "Diese Insel ist die schönste, die Menschenaugen wohl je gesehen." Die folgenden Jahrhunderte bis hin zur Revolution war die Küste nur per Schiff erreichbar. Sie ist bis heute ein Biotop, wie es schon ihr Entdecker sah.

Das gilt auch für den benachbarten Naturpark, den 1800 der deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt erschlossen hat. Mit bis zu 2000 Arten übertrifft der "Parco Alejandro" sogar die isolierten Galápagos-Inseln im Pazifik. Drei Stunden lang führt der Guide durch feuchtwarmen tropischen Regenwald. Im grünen Filz aus Riesenfarnen, Gummibäumen, Mangroven und Palmen leuchten seltene Orchideen. Schnecken schrecken mit leuchtenden Tarnfarben. In einem Drachenbaum blitzen Kubas Farben kurz auf: rot, weiß, blau – das ist der Tocororo, Kubas Nationalvogel.

Strände ohne Ende: Tauchgründe zum Verlieben

Die Städte sind besichtigt, die Natur ist erkundet. Nun wartet die dritte große Attraktion der Insel: ihre Badestrände. Ausgerechnet der US-Geheimdienst CIA bestätigt, dass Kuba mehr Küste zu bieten hat als alle übrigen tausend Inseln der Karibik zusammen. Rundum neigen sich die flachen Uferzonen stufenlos von Weiß über Türkis bis zum tiefen Blau ins Meer. Und egal, zu welcher Jahreszeit man anreist - das ganze Jahr über hält das Wasser eine wohlige Temperatur von 25 bis 28 Grad.

Den längsten und breitesten Sandstrand dieser Urlaubswelt besitzt die Halbinsel Varadero. 20 Kilometer lang schmiegt sich das weiße Band ans badewannenwarme Meer. 50 Hotels und ein eigener Flughafen machen die Halbinsel zum idealen Endpunkt aller Rundreisen. Man aalt sich im schmeichelnden Sand, surft, schnorchelt, segelt – und stürmt am All-inclusive-Büffet ein Schlaraffenland mit ungeahnten Köstlichkeiten von Turf bis Surf.

Ein Tagesausflug per Katamaran führt nach Cayo Blanco, zu einer der vielen kleinen vorgelagerten Robinson-Inseln. Das Boot mit dem weißen Doppelrumpf dümpelt vor Anker, die Gäste schnorcheln über klarem Korallengrund zwischen exotischen Fischen. Schlanke Kanadierinnen stehen bis zu den Knien im sanft schwappenden Wasser und nippen an ihrem eisgekühlten Cuba libre. Fern klimpert eine Gitarre, vom Grill weht bereits der Geruch von Spareribs, Lobster und Red Snapper.

kuba berge und meer
Cayo Coco

Der Luftzug lässt die Palmenschatten flirren. Jetzt nur nicht aufstehen! Feiner Sand rieselt durch die Finger - Korallen, vom Meer zermahlen. Unterm Miskroskop wären pralle poröse Sternchen zu erkennen. Mit fünf Zacken, wie auf den Fahnen von Kuba und den USA.

In so einem Moment seliger Entrückung – wer mag da an die Invasion der "Yankis" denken. Und daran, dass Varadero ihnen schon jetzt am meisten entgegenkommt. Rein geografisch jedenfalls...

Alle Themen

Passende Reisen zu Ihrer Auswahl

Md vancouver x adobestock 90000590 javen export 600 800

7 Nächte Baden auf Kuba

Kombinationsreisen

Kanada & Kuba

Rundreise durch den "wahren" Norden & Baden in Varadero
  • Inkl. Flug
  • 17-tägig
  • Mittelklassehotels inkl. Frühstück
  • 4-Sterne-Hotel ROC Barlovento mit All-Inclusive
Reisecode: R4K019
Termine: Sep 2019
15 Nächte, Verpflegung lt. Ausschreibung, Doppelzimmer, bei Belegung mit 2 Personen, inkl. Flug
p. P. ab 2.599 €
Details

Kuba

Kleingruppen-Rundreise
  • Inkl. Flug
  • 17-tägig
  • Mittelklassehotels/ Casas Particulares
  • Inkl. Verpflegung
Reisecode: T3K002
Termine: Sep - Okt 2019
15 Nächte, Verpflegung lt. Ausschreibung, Doppelzimmer, bei Belegung mit 2 Personen, inkl. Flug
p. P. ab 2.799 €
Details